Die Göttin des Monats Juni

Holle – die große Muttergöttin

Göttin Holle ist die germanische Erd- und Himmelgöttin, die in unserer Heimat die große Muttergöttin verkörpert. Deswegen möchte ich sie hier als erste Göttin vorstellen. Frau Holle – Göttin Holle – Holda oder Percht, wie sie im Alpenraum genannt wird, kann mit dem Großen Göttinnen vieler anderer Kulturen (Isis, ,…)verglichen werden. Für unsere vorchristlichen Ahnen war sie die heilige Mutter Erde, die große Muttergöttin, die in ihrer dreifachen Gestalt auftritt. Sie ist die weiße Jungfrau, die im Frühling die Erde zu neuem Leben erweckt. Sie ist im Sommer die rote Liebesgöttin, die sich in der heiligen Hochzeit vereint und damit das Weiterleben sichert und im Herbst zeigt sie sich als schwarzer Aspekt der Göttin. Sie ist dann die alte Weise. Diese drei Farben – weiß, rot und schwarz – sind immer die Farben der Göttin – im Holunder sind alle drei Farben vereint. Die weiße Blüte, der rote Saft der Beeren und auch die roten Stengel und das Schwarz der Holunderbeeren. Der Holunder ist der Baum unserer großen Erdgöttin – der Wohnort von Frau Holle.

Zum Begriff der Göttin möchte ich hier noch erwähnen, dass es in fast allen Mythologien zuerst die Vorstellung einer weiblichen Gottheit gab. Man glaubte an die Große Göttin, an eine Kosmische Mutter an die Schöpfergöttin oder an eine Erdgöttin. Aber grundsätzlich waren alle urspünglichen Mythologien auf eine weibliche Gottheit ausgerichtet. Erst später entstand aus der Urmutter die weibliche Dreifaltigkeit. Alles Leben, Sterben und Erneuern ist in dieser Dreiheit ausgedrückt. Und noch viel später kam dann der Glaube an männliche Gottheiten, oder gar an einen einzigen männlichen Gott, so wie wir es heute erleben.

Eine der wichtigsten Begegnungsstätten mit unserer Erdgöttin und Großen Mutter ist sicherlich der Holunderstrauch, der derzeit sein „Hochzeitskleid“ trägt und mit seinen wunderbar duftenden, weißen Blüten unsere weiblichen Seelen berührt

Die Dreifache Gestalt der Göttin Holle

Holle bringt im Frühling als jugendliche Göttin das Licht und das Leben auf die Erde. Sie streift über die Felder und bringt das neue Leben. Sie erweckt die Erde und bringt erneut Fruchtbarkeit. Sie feiert im Sommer die Heilige Hochzeit und vereinigt sich mit Thannhäuser – nur durch diese Vereinigung kann weiteres Leben gesichert werden, denn durch diese Vereinigung entsteht neues Leben auf der Erde. Sie nimmt im Herbst alles Leben von der Erde mit in ihre Unterwelt; wo sie die Samen und die Seelen hütet, nur damit sie im Frühling neu auf die Erde kommen dürfen. Im Spätherbst sitzt die Göttin Holle mit ihren Priesterinnen bereits tief in ihrem Berg und sie spinnen und weben. Die goldenen Spindel ist immer ein Utensil der Göttin. Dieses Spinnen steht auch für das Spinnen des Lebensschicksal der Menschen. Den Faden beginnen, spinnen und wieder abschneiden – dies steht symbolisch für das Leben eines Menschen auf der Welt – immer in der Hand der Göttin.

Im Winter taucht die Göttin die Erde in wundervolles Weiß, auch sie tritt zu dieser Zeit in weißem Gewand auf. Sie wird zur „Schenkerin“ aber auch zur Richterin. Sie beschenkt die Guten und bestraft die bösen. Sie fährt mit ihrem Wagen, der ursprünglich von 4 weißen Hirschen mit goldenem Geweih gezogen wurde, über das Land und bringt die Geschenke (heute hat das der Nikolaus übernommen). Die Rute, die aus immergrünen Pflanzen gemacht wurde, war die Lebensrute – mit ihr wurden die Menschen abgestreift (nicht geschlagen) – das brachte Glück und Segen. Viele Bräuche gehen auf den Göttinenkult zurück. So wurde von den Frauen Kuchen gebacken, welche die Göttin abbildeten, es wurden Kekse als Sterne und Mond gebacken, die das kosmische Wirken der Göttin darstellten (heute haben wir noch die Weihnachtskekse). Vom 21 Dezember bis 6. Jänner wurden die 12 Weihennächte „Mutternächte“ oder Rauhnächte gefeiert. Am 24 Dezember war der Holletag oder der Perchtentag, mit seiner heiligen Nacht – es war das große Göttinnenfest zu Beginn dieser heiligen Tage, an dem die Mysterien Tod und Wiedergeburt und die Wiederkehr des Lichtes (Wintersonnenwende) gefeiert wurde.

In den 12 Nächten zog die Göttin Holle, als „Mutter der Seelen“ mit den Ahnenseelchen umher, um eine neue Mutter zu suchen – damit war sie auch die Wiederbringerin des Lebens.

Der 6. Jänner war dann überhaupt der Festtag der Göttin Holle. Es war das Ende der heiligen Zeit, in der Pflanzen und Tiere sprechen konnten und die Tore zur Anderswelt WEIT offen waren. Frau Holle sperrt nun diese Tore zu und hat damit ihr magisches Jahr vollendet. Sie erscheint nun in ihrer Vollständigkeit – als die Göttin in ihrer Dreifachen Gestalt – die alle Aspekte der Göttin vereint. Auf der Erde zog sie tatsächlich als dreifache Göttin herum, als weiße jugendliche Jungfrau, als rote Erwachsene und als schwarze weise Alte.

Die Symbolik der Göttin Holle hat sich im Märchen Frau Holle erhalten – dazu einmal später......

Vielleicht ist durch diese kleine Erzählung schon erkennbar, wie viel uns Frauen genommen worden ist. Jedes unserer Feste, alle Symbole, alles wurde in männliche Hand gegeben. Als Kind hab ich den Begriff Göttin nie gehört – eine Göttin gab es nicht und damit auch keine weiblich göttliche Energie an meiner Seite, die ich damals so sehr vermisst habe. Ich verstand auch niemals, warum die Kirche nur Männer zu bieten hatte. Natürlich zog es mich wie viele andere Frauen zu Maria hin , die ja auch unsere Muttergöttin symbolisiert – schließlich ist sie die Mutter Gottes. Aber es war doch immer deutlich spürbar, dass Frauen in unserer Religion „nichts zu sagen haben“. Lange Jahre führte mich mein Weg dann dorthin, wo ich die Göttin wieder entdecken durfte und all das, was ich mit ihr an meiner Seite erleben und lernen durfte, möchte ich jetzt weiter geben. Darum die neue Rubrik im Newsletter – viel Spaß mit den Göttinnen dieser Welt !

 

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